Bibliothek der Selbstentfaltung: The Slight Edge

Enthusiastisch wie ich bin, habe ich mir für 2016 vorgenommen mehr Bücher zum Thema Selbstentwicklung zu lesen. Wie wir bereits wissen, realisiert man nur diejenigen Ziele, die genau formuliert und mit einer Deadline versehen sind. Deswegen versuche ich es nochmal: 2016 möchte ich mindestens 1 Selbtsentwicklungsbuch pro Monat lesen und auf dem Blog besprechen.

Als eifrige Planerin wollte ich nicht bis Anfang Januar warten. Deswegen möchte ich bereits heute eine neue Serie beginnen. In der „Bibliothek der Selbstentfaltung“ werde ich Ratgeber oder Sachbücher besprechen, die ich gelesen und hilfreich gefunden habe. Schreibt mir in den Kommentaren, welche Bücher Ihr empfehlen würdet.

Im Dezember habe ich „The Slight Edge“ von Jeff Olson durchgelesen. Das Buch ist eine kompakte Zusammenfassung von Prinzipien, die in jeglichen Selbsthilfe- oder Ratgeberbüchern zu finden sind. Es soll vor allem denjenigen helfen, die zwar wissen, was zu tun wäre um erfolgreich, produktiv oder gesund zu sein, die es aber trotzdem nicht schaffen die Dinge zu tun. „The Slight Edge“ ist also ein Ratgeber für die Ratgeberliteratur.

First Things First:

Richtige Einstellung

Unsere Lebensphilosophie ist eine notwendige Bedingung des Erfolgs. Da der Erfolg Resultat jahrelanger, unsichtbarer Arbeit ist, sind nur diejenigen wahrhaft erfolgreich, die regelmäßig, ununterbrochen etwas für die Realisierung ihres Traums tun. Wie Emerson sagte:

„Do the thing, and you shall have the power.“ 

Wichtig ist die Reihenfolge – erst tun, dann erfolgreich sein. Man hätte gern Erfolg ohne gearbeitet zu haben. Das ist, wie Olson betont, ein Denkfehler.

Die kleinen Dinge

Die kleinen, alltäglichen Dinge entscheiden darüber, ob wir Erfolg haben oder versagen, ob wir gesund oder krank sind, ob wir Geld haben oder nicht.

Ein Beispiel: wenn man gesund sein möchte, sollte man sich gesund ernähren – Obst und Gemüse essen, Zucker und Fett meiden oder genug Wasser trinken. Werde ich krank, wenn ich mich heute ungesund ernähre? Nein. Werde ich krank, wenn ich mich jeden Tag ungesund ernähre? Schon eher. Derjenige, der die Slight-Edge-Philosophie verinnerlicht hat, weiß, dass die heutige Entscheidung alles ist, was wir haben und dass die Gesundheit aus den alltäglichen, unbedeutend wirkenden Dingen resultiert.

Diese kleinen Dinge – eine gesunde Mahlzeit zubereiten, regelmäßig Sport treiben, 20 Minuten lang ein inspirierendes Buch lesen statt fernzusehen – sind einfach. Warum macht man die dann nicht? Oder zumindest nicht regelmäßig?

Weil es genauso einfach ist sie nicht zu tun. Es bringt mich (noch) nicht um, wenn ich heute keinen Sport mache. Niemand feuert mich, weil ich ungesund lebe. Es sieht so aus, als ob nichts passieren würde. Der Schlüssel zum Erfolg ist zu verstehen, dass doch etwas passiert. Das Warten und das Nicht-Tun haben einen Preis, man zahlt ihn nur später.

Richtige Gewohnheiten

Der Schlüssel zum Erfolg besteht darin Dinge zu tun – auch wenn man keine Lust hat, auch, wenn niemand applaudiert. Wie macht man das? Man bildet Gewohnheiten, die zum Erfolg führen, statt Gewohnheiten, die uns versagen lassen. Gewohnheiten erleichtern das Handeln, denn sie ersetzen das Bedürfnis nach ständiger Motivation.

Olson verrät leider nicht, wie man solche Gewohnheiten bildet. Es scheint mir, er glaubt mit richtiger Lebenseinstellung stellen sich die Motivationsprobleme einfach ein. Wenn ich weiß, dass das, was ich jetzt tue, mich zum Erfolg führt, will ich es auch tun. Wir wissen alle, dass es nicht so einfach ist 🙂

Im Hier und Jetzt leben

Derjenige, der sich auf einer Erfolgskurve befindet, meckert nicht über die Dinge, die er nicht kontrollieren kann. Er übernimmt Verantwortung dafür, was kontrollierbar ist – seine Reaktion auf die Geschehnisse. Er lässt die Vergangenheit los und konzentriert sich auf die Zukunft. Und weil er weiß, dass die Zukunft von den heutigen Entscheidungen abhängt, lebt er im Hier und Jetzt. Er sagt nicht „Eines Tages …“, „Wenn ich im Lotto gewinne …“, „Wenn er sich entschuldigt, dann …“. Er wartet nicht darauf, dass etwas passiert, dass andere sich ändern.

Es ist zwar wichtig die Vergangenheit zu reflektieren, aber wir tendieren häufig dazu in der Vergangenheit gefangen zu sein. Eine produktivere Art mit der Vergangenheit abzuschließen wäre die Verantwortung für eigene Fehler zu übernehmen und einen Plan für die Zukunft zu erstellen.

Wie sollte man konkret vorgehen?

Plan, Do, Review 

Als erstes sollte man einen Plan erstellen. Der Plan, mit dem man startet, ist normalerweise nicht derjenige, der auch zum Ziel führt. Man muss Pläne stets an die Realität anpassen. Nichtsdestotrotz ist es wichtig überhaupt einen Plan zu haben, damit man konsistent bleibt.

Beim Planen sollte man konkrete, alltägliche Routinehandlungen festlegen, wie: „30 Minuten pro Tag ein Sachbuch lesen“. Man sollte auch aufschreiben, was uns daran hindern könnte die Routine aufrechtzuerhalten und sich Methoden überlegen, wie man dabei bleibt, wie: „Wenn ich keine Lust habe 30 Minuten zu lesen, fange ich erst an und schaue, ob mich das Buch doch interessiert.“ Dafür könnte auch die so genannte WOOP Methode von Gabriele Oettingen hilfreich sein.

Als zweites sollte man die geplanten Dinge tun.

Schließlich sollte man den Plan überdenken und folgende Fragen beantworten: was ist mir gut gelungen? was sollte verbessert werden? sind die Ziele immer noch aktuell? welche neuen Ziele sind dazugekommen?

Danach begibt man sich erneut in die Planungsphase und der Kreis schließt sich.

 

Mein Fazit

„The Slight Edge“ ist kein revolutionäres Buch. Man hat nicht das Gefühl bei der Lektüre viele neuen Dinge erfahren zu haben. Allerdings ist es eine hilfreiche, gut geschriebene und authentische Zusammenfassung dessen, was wir zwar wissen, aber uns häufig nicht eingestehen wollen. Das Buch verrät keine genialen Tricks, wie man erfolgreich wird. Es sagt: sei da, arbeite nach einem vernünftigen, realistischen Plan, denke darüber nach, was du tust, sei optimistisch und lebe Dein Leben so, dass die Zeit für und nicht gegen Dich arbeitet. Olson betont die Wichtigkeit der alltäglichen Routinen, der steten, konsequenten Arbeit, ist aber dabei nicht langweilig oder streng, sondern voller Enthusiasmus und Glauben an die Möglichkeit des Erfolgs für jeden.

Da ich persönlich sehr ergebnisbezogen in der Bewertung meiner Erfolge bin, ist folgendes Zitat eine schöne Erinnerung daran, dass der Weg wichtiger als das Ziel ist:

„How can you judge the course of action you´re taking by its results, when results come last? (…) What you can do with your results is learn from them. Results are valuable feedback. (…) But a focus on results only takes you out of the present moment where the action really is.“ (140)

 

Habt Ihr „The Slight Edge“ gelesen? Hält Ihr die Selbstentwicklungsliteratur für Quatsch? Kennt Ihr gute deutschsprachige Autoren, die über Produktivität oder Erfolg schreiben?

Photo: unsplash.com

 

 

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