Minimalismus in der Praxis: Wie wirft man Dinge weg?

Minimalismus bedeutet häufig, dass man weniger Dinge besitzt. Wir häufen aber gerne Dinge an. Deswegen ist die erste minimalistische Herausforderung Sachen wegzuschmeißen, zu verkaufen oder zu spenden. Nur, wie macht man das? Heute stelle ich Euch zwei gängige Methoden den eigenen Besitz zu verkleinern.

KonMari-Methode

Marie Kondo geht folgendermaßen vor: alle besitzten Gegenstände von einem Typ (z.B. Kleidung, Bücher oder Geschirr) werden an einem Ort gesammelt, sodass sichtbar wird, wie viel man hat. Dann nimmt man jeden Gegenstand vom Stapel in die Hand und fragt sich, welches Gefühl das Ding hervorruft. Wenn der Gegenstand uns Freude bringt, bleibt er, wenn er aber negative Emotionen verursacht, schmeißen wir ihn weg.

Die Methode ist einfach und löste einen regelrechten Internethype aus. Es gibt viele Videos, die die Methode veranschaulichen, z.B. dieses hier. Marie Kondo gibt in ihrem Buch viele sinnvolle Tipps – zum Beispiel zeigt sie in diesem Video einen interessanten Trick zum Falten von Kleidung.

Der Nachteil dieser Methode ist, dass manche der Dinge, die negative Emotionen hervorrufen, praktisch oder sogar notwendig sind. Ich würde ja gerne das Bügelbrett wegschmeißen, weil das Bügeln schrecklich langweilig ist, aber ich brauche es und werde es deswegen nicht wegwerfen.

Die KonMari-Methode ist aber gut geeignet diejenigen Dinge zu sortieren, welche keinen offensichtlichen pragmatischen Zweck haben. Viele Dinge besitzen wir nicht, weil wir sie brauchen, sondern weil sie uns repräsentieren. Häufig kaufen wir  ein, um sich selbst oder anderen zu zeigen, wer wir sind oder sein möchten. Wenn man zum Beispiel viele Bücher kauft, weil man sich vorstellt, wie schön sie in einem zukünftigen Haus aussehen würden, kann es sein, dass diese Bücher einen daran erinnern, diesen Traum noch nicht realisiert zu haben. Vielleicht will man gar kein Haus haben. Vielleicht erinnern die angehäuften Dinge nur daran, was für ein Leben man sich wünscht und nicht was für ein Leben man tatsächlich führt. In diesem Fall rufen die besitzten Bücher negative Emotionen hervor und sollten entsorgt werden.

Pragmatische Methode: (Ge-)Brauche ich das Ding?

Während KonMari Methode vorschlägt auf die Gefühle, die ein Gegenstand hervorruft, zu achten, ist die zweite Methode etwas pragmatischer. Man fängt genauso an – man sammelt alle Dinge auf dem Boden und fragt sich, welche der Gegenstände in den letzten 6 bis 12 Monaten gebraucht wurde. Wenn man sich in Bezug auf ein Ding nicht sicher ist, setzt man das Ding auf die „Vielleicht-Liste“ und überprüft es in ein paar Monaten nochmal. Dann sollte man aber endgültig eine Entscheidung treffen. Alle Dinge, die den längeren Test nicht bestehen, entsorgt man.

Der Nachteil der pragmatischen Methode ist, dass man manche unpraktischen Dinge sehr gerne hat. Wie sollte man mit Gegenständen umgehen, die einen sentimentalen Wert haben? Oder einfach nur schön sind? Laut KonMari Methode sollten alle positiv aufgeladenen Gegenstände bleiben. Laut der pragmatischen Methode sollten sie entsorgt werden. Wenn man nicht super pragmatisch vorgehen möchte, könnte man auch einen Mittelweg einschlagen – sich grundsätzlich am Nutzen orientieren, aber diejenigen schönen Dinge, die gleichzeitig einen sentimentalen Wert haben, behalten. So sammelt man nicht zu viele Gegenstände, sondern behält nur diejenigen, die wirklich etwas bedeuten.

Wie geht Ihr mit Eurem Besitz um? Ich tendiere eher dazu pragmatisch zu sein, da ich selten an Dingen hänge. Trauert Ihr den Dingen nach, die Ihr weggegeben habt?

Photo: unsplash.com

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